INTERVIEW EINES SECOND LIFE NUTZERS – SUSANN BITTET ZUM GESPRÄCH

Diesmal mit Hanna Markstein. Das Gespräch fand in ihrem privaten zu Hause statt.

Grüß dich Hanna, ich freu mich sehr, hier bei dir zu Hause sein zu dürfen und dass du dich für dieses Gespräch bereit erklärt hast. Es geht gleich los mit der ersten Frage.

Susann DeCuir: Aus welchen Gründen hast du dich damals in Second Life angemeldet?

Hanna Markstein: Gute Frage. Wenn ich mich recht erinnere, weil ich von meinen Eltern davor gewarnt wurde und das machte es interessant, also musste ich mal schauen, was denn so gefährlich an sl sein soll.

Susann DeCuir: Warst du anfangs abgeschreckt und wolltest gleich wieder weg oder war die Faszination dann doch größer?

Hanna Markstein: Ich bin sogar gleich wieder weg. Ich hatte mich angemeldet und war völlig überfordert mit der Steuerung und all den Funktionen. Ich habe den Viewer gleich wieder deinstalliert und dann 14 Tage später doch einen zweiten Versuch gestartet, meinen Herrn gleich mit angemeldet und dann bin ich irgendwie geblieben.

Susann DeCuir: Du schreibst BDSM Geschichten, wie lange schon?

Hanna Markstein: Seit ich meine devote Neigung auslebe, also seit knapp 11 Jahren. Aber erst nur im privaten Rahmen für meinen Herrn. Professioneller schreibe ich seit etwa 2 Jahren.

Susann DeCuir: Deine Geschichten, bestehen sie aus realen Erfahrungen oder sind das reine Fantasie Geschichten?

Hanna Markstein: Es ist reine Fantasie, allerdings fließen natürlich reale Erlebnisse und Erfahrungen mit ein, sonst könnte ich das gar nicht authentisch gestalten, was meine Protagonisten in den Geschichten erleben. Manchmal sind es auch Ereignisse in SL oder im realen Leben, die meine Fantasie anregen zu einer Geschichte.

Susann DeCuir: Das führt mich zur nächsten Frage, wie kamst du auf die Idee in Second Life deine Geschichten vorzutragen und welche Ambitionen stecken dahinter?

Hanna Markstein: Das war total Zufall. Ich war damals oft auf Black Rose, einem BDSM-Treffpunkt und das Thema kam auf Geschichten schreiben. Ich erzählte, dass ich auch schon ein paar geschrieben hatte und dann wurde ich "genötigt", doch mal eine vorzutragen. Diese Geschichte kam dann so gut an, dass ich das damals schon öfter gemacht habe und als ich anfing, meine Geschichten auch zu veröffentlichen, da erinnerte ich mich, wie gut mir damals das positive Feedback getan hat. Und dann lag es nahe, die Geschichten auch öffentlich zu lesen.

Susann DeCuir: Hattest du auch schon negatives Feedback?

Hanna Markstein: Ehrlich gesagt nicht. Ein paar Kritikpunkte, aber nicht generell negativ.

Susann DeCuir: Wie gehst du dann mit Kritik um? Kommen dann Selbstzweifel hoch?

Hanna Markstein: Selbstzweifel kommen immer mal, das ist das tägliche Brot eines Schriftstellers. Aber generell finde ich Kritik immer sehr gut, denn ich kann nur an Fehlern die ich mache wachsen. Ich möchte ja, dass meine Geschichten so perfekt wie möglich werden und nur wenn man mir sagt, wo es noch hakt oder wo eine Stelle in der Geschichte unlogisch ist, kann ich sie verbessern und solche Fehler in der Zukunft vermeiden. Ich möchte also unbedingt wissen, wenn in meinen Geschichten irgendetwas nicht ganz rund läuft.

Susann DeCuir: Ich war ja bei einigen deiner Vorlesungen dabei, macht es für dich einen Unterschied ob fünf Leute anwesend sind oder 30?

Hanna Markstein: Überhaupt keinen. Ich könnte auch vor 200 Leuten lesen. Und ich gebe mir bei wenig Anwesenden genau so viel Mühe, wie vor vielen.

Susann DeCuir: Das kann ich bestätigen 

Hanna Markstein: Lach, danke.

Susann DeCuir: Wir machen mal einen kleinen Sprung zurück zu den ersten Antworten die du gegeben hast. Du lebst mit deinem Herrn in der realen Welt deine Neigungen aus. Macht ihr das auch gemeinsam in Second Life?

Hanna Markstein: Ja machen wir auch, wobei hier eher der gesellschaftliche Aspekt in den Vordergrund tritt. Da ich reales BDSM kenne, reizen uns Posebälle in SL eher weniger, aber man kann hier eben Gleichgesinnte ohne großen Aufwand treffen. Und es ist auch mal möglich, hier von meinem Herrn im Voice vorgeführt zu werden.

Susann DeCuir: Bindet ihr dazu auch dritte, vierte oder mehr ein? In so eine Vorführung?

Hanna Markstein: Ja auch mal, es kann schon mal sein, dass dann Anwesende bestimmen, wie lange ich z.B. Klammern tragen muss. Es ist aber auch schon sehr demütigend für mich, vor Publikum in SL mit offenem Voice kommen zu müssen.

Susann DeCuir: Es geschieht aber nichts ohne deine Einwilligung. Stichwort Einvernehmlichkeit?

Hanna Markstein: Sagen wir mal so, ich bin natürlich freiwillig bei meinem Herrn und kann jederzeit gehen. Er kennt mich seit 11 Jahren und weiß genau, was ich mag und brauche und wo meine Grenzen sind. In erster Linie möchte er, dass auch ich Spaß habe und mich wohl fühle. Also ja, wenn es passiert, dann wollen wir das beide.

Susann DeCuir: Gibt es für dich vom Gefühl und von deinen Empfindungen her, einen Unterschied zwischen RL und SL BDSM?

Hanna Markstein: Absolut. Reales BDSM ist nicht mit BDSM in SL zu vergleichen. Hier tut die Peitsche nicht weh und in SL kann ich stundenlang knien. Das funktioniert in RL nicht. Der psychologische Aspekt ist in beiden Welten nahezu gleich, wobei hier natürlich die Mimik und Gestik des Gegenübers fehlt, die auch nicht zu unterschätzen ist.

Susann DeCuir: Was hältst du von Menschen. die nur die Plattform Second Life (oder andere online Plattformen) dazu nutzen?

Hanna Markstein: Das kann man so pauschal nicht sagen, dazu muss man jeden Einzelnen erst mal kennen lernen. Jeder lebt sein BDSM so, wie er es möchte und wer das rein auf SL beschränken möchte, der soll das tun.

Susann DeCuir: Es sieht zurzeit sehr schlecht aus, was deutsche BDSM Treffpunkte in Second Life betrifft. Soweit ich mich erinnern kann, hattest du doch mal einen?

Hanna Markstein: Ja, aber das ist lange her. Ich finde es sehr schade, dass es diesbezüglich nichts mehr gibt in SL. Der Bedarf ist bestimmt da. Ich hatte auch lange Zeit überlegt, wieder etwas aufzubauen, aber der Zeitaufwand dafür ist mir zu groß, dann würde ich nicht mehr zum Schreiben kommen. Und letztendlich ist es doch oft eine undankbare Aufgabe.

Susann DeCuir: Und wenn du die Möglichkeit hättest, mit anderen Personen das zu tun?

Hanna Markstein: Wenn man ein richtig gutes Team hat, dann funktioniert es auch und einem bleibt genug Zeit für das reale Leben. So lief es damals bei meinem Treffpunkt auch, das hat gut funktioniert. Also wenn es sich so ergeben würde, wäre es durchaus noch mal denkbar.

Susann DeCuir: Du hast vorhin das Wort undankbar erwähnt, inwiefern undankbar?

Hanna Markstein: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der prozentuale Anteil von ... sagen wir mal etwas merkwürdigen Menschen in SL besonders hoch ist und nicht die Realität abbildet. Und solche Leute sorgen immer wieder für Drama auf solchen BDSM-Sims. Damit muss man sich rumschlagen und recht macht man es dabei sowieso keinem. Wenn man da nicht eine große Portion Gelassenheit in sich trägt, kann einen das ganz schön aufwühlen und belasten.

Susann DeCuir: Machen wir einen Sprung in deine Vergangenheit. Du hattest früher einen Shop, was hast du gebaut und verkauft?

Hanna Markstein: Ich habe mit Häusern angefangen, für die ich das Kontrollsystem selbst gescriptet habe. Irgendwann kamen Möbel dazu. Angefangen habe ich mit 4K Land und einem Rezzvendor, zum Schluss war es eine ganze Sim, auf der ich meine Häuser und Möbel ausgestellt habe.

Susann DeCuir: Und was ist davon übrig?

Hanna Markstein: Übrig ist ein Laden im Marketplace, allerdings entsprechen meine Häuser und Möbel nicht mehr der aktuellen sl-Technik (z.B. Mesh), so dass es nur noch sporadisch mal zu Verkäufen kommt. Mir fehlt aber die Motivation, die Sachen umzubauen und anzupassen.

Susann DeCuir: Hattest du einen Verkaufsschlager und wenn ja gibt es ihn noch?

Hanna Markstein: Ja den hatte ich allerdings, jedoch kein Haus oder Möbelstück, sondern ein Spanker und Slapper, also womit man auch Ohrfeigen geben kann. Er hat mehr Funktionen als die üblichen kostenlosen Spanker, z.B. auch RLV. Und der hat sich immer gut verkauft und das hält bis heute an.

Susann DeCuir: Zu finden in deinem Shop am Marketplace nehme ich an?

Hanna Markstein: Genau. Er heißt SK Slapper und Spanker.

Susann DeCuir: Das Wort Motivation fiel gerade, was würde dich denn motivieren?

Hanna Markstein: Motivieren zu was?

Susann DeCuir: Deine Sachen auf den neusten Stand zu bringen.

Hanna Markstein: Wenn ich eine Chance sehen würde, an meinen Erfolg von damals anknüpfen zu können. Damals lief das so gut, dass ich von dem Erlös zwei Fullprim-Sims unterhalten konnte und mir trotzdem ab und ein Taschengeld real auszahlen konnte. Dann gab es zwei Einbrüche: 1. SL verbot Trafficbots, damit wurde mein Laden nicht mehr so gut gelistet. Ich überlegte mir Alternativen, das funktionierter einigermaßen und dann 2. gab es einen Such-Bug. Dadurch fiel mein Laden (zusammen mit etlichen anderen in SL) komplett aus der Suche raus und ich habe kaum noch etwas verkauft. Das war der Zeitpunkt, an dem ich das Geschäft aufgegeben habe. Und es gibt keine Garantie, dass es wieder gut laufen würde, wenn ich wieder anfangen würde. Der Umbau oder Neubau meiner Häuser würde sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

Susann DeCuir: Also könnte man sagen, dass Lindenlab doch ab und an Leuten Steine in den Weg legt?

Hanna Markstein: Absolut. Dieser Such-Bug damals hat nur einige betroffen, nicht alle. D.h. viele meiner Konkurrenzunternehmen waren nach wie vor in der Suche gelistet, einige vereinzelte, u.a. mein Laden, tauchten dort überhaupt nicht mehr auf. Vier Monate habe ich noch so durchgehalten, aber Linden hat diesen Bug offensichtlich nicht mit Priorität bearbeitet, so dass er über diese 4 Monate anhielt und ich dann die beiden Sims einfach nicht mehr halten konnte.

Susann DeCuir: Langsam neigt sich unser Gespräch dem Ende zu, daher kleiner Themensprung, liebe Hanna. Was würdest du einem Neuling, der SL das erste Mal entdeckt raten?

Hanna Markstein: Sich jemanden zu suchen, der Erfahrung in SL hat und ihn an die Hand nimmt. Ihm alles erklärt und ihn optisch ansprechend gestaltet.

Susann DeCuir: Die letzte Frage an dich, die ich all meinen Interview Partner stelle. Warum hast du dir den Namen Hanna Markstein ausgewählt?

Hanna Markstein: Hanna war mein Pseudonym schon vor SL, z.B. in Yahoo-Gruppen und ich wollte einen deutschen Nachnamen, da war die Auswahl damals nicht so groß mehr. Es gab schon sehr viele Hannas in SL. Damals hatte man nur die Möglichkeit, aus einer vordefinierten Liste von Nachnamen zu wählen.

Susann DeCuir: Ich bedanke mich herzlichst für deine Zeit und Offenheit, Hanna.

Hanna Markstein: Sehr gerne. Ich danke für das Interesse an meiner Person.


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