SEIN WEG ZUM DUNKLEN SEX

Dieses Interview fand ich auf dem Blog Wunderweib. Ich finde es nicht uninteressant und Gentledoms Seite ist mir schon länger bekannt. Daher möchte ich es euch nicht vorenthalten:

Jetzt verrät uns ein deutscher Dom, wie er diese dunkle Spielart des Sexes vor 15 Jahren für sich entdeckt hat und wie er seine Vorliebe heute lebt. Um sein Berufsleben zu schützen, möchte er anonym bleiben. Doch so viel dürfen wir verraten: Er ist 37 Jahre alt, arbeitet als Jurist und ist der Betreiber der Internetseite gentledom.de. Darum nennen wir ihn im Interview ebenfalls Gentledom.

Du stehst auf BDSM und bist ein Dom – bedeutet das, dass du es genießt, einer Frau Schmerzen zuzufügen und sie zu demütigen?
Gentledom: Ich genieße es, gemeinsam mit einer Partnerin meine Lust auszuleben. Dies kann bedeuten, ihr Schmerzen zuzufügen und sie zu demütigen, muss es aber nicht. BDSM kann nur funktionieren wenn beide Partner ihre Bedürfnisse befriedigt bekommen und Dom sein bedeutet nicht, ein totaler Egoist zu sein, dem seine Partnerin egal ist. BDSM ist vielmehr ein gemeinsamer Tanz, der Kommunikation, eine passende Wellenlänge und einen gemeinsamen Takt voraussetzt. Die Frage, ob ich ein Sadist bin, kann ich mir selber nicht einmal beantworten. Schmerzen füge ich entweder als eine Belohnung zu (dann macht es mir viel Spaß) oder eben zur Bestrafung für unerwünschtes Verhalten, aber sind eigentlich nie reiner Selbstzweck.

Wie bist du zum Dom geworden?
Gentledom: Vor vielen Jahren meinte eine Frau mit großer Erfahrung, dass in mir ein Dom schlummern würde. Ich war damals im ersten Moment ziemlich perplex, ließ mich aber auf das Gedankenspiel und einige Tage später auch auf das reale Spiel ein und siehe da, es gefiel mir. Mein Auslöser war daher eine Person und die Möglichkeit, es mit dieser Person auszuprobieren.
Auspeitschen, die Luft abdrücken, fesseln und knebeln, gehört das alles zu deinem Repertoire?
Gentledom: Jein. Fesseln und Auspeitschen, damit habe ich sicher Erfahrung, die Luft abdrücken halte ich aber für eine Spielart, die nicht sicher ist und die ich daher ablehne. Dies bedeutet nicht, dass ich keine Atemreduktion betreibe, wenn meine Partnerin mir das denn erlaubt, aber ich wende die in meinen Augen einzig sichere Methode an. Ich lege meine Hand über Nase und Mund der Frau und verhindere so die Atmung, blockiere aber nicht die Blutversorgung des Gehirns (Halsschlagadern) oder riskiere Verletzungen am Kehlkopf. Zu dieser Spielart gehört großes Vertrauen und auch das Wissen, wann man die Atmung spätestens wieder gestatten muss. Dies ist ganz sicher keine Spielart für Anfänger! Beim Knebel ist es einfach, ich habe welche, setze sie aber nicht ein. Knebel führen zum Speichelfluss und das finde ich unsexy und zudem gibt es noch andere Möglichkeiten, eine Frau zum Schweigen zu bekommen.
Was hältst du von „Shades of Grey“?
Gentledom: Ich habe das Buch nicht gelesen, stehe ihm aber nicht negativ gegenüber. Negativ finde ich die Klischees, welche vorkommen. Ich würde mich in Mr. Grey gar nicht wiederfinden. Das Buch hat einen guten Plot und ist eben ein Unterhaltungsroman, von dem ich nur Unterhaltung erwarte und das scheint es den Verkaufszahlen nach ja zu liefern. Was mich vor allem freut, durch das Buch ist BDSM etwas mehr in die Mitte der Gesellschaft gerückt und dort - und nicht in die Schmuddelecke - gehört es auch hin.
Wie viele Menschen in Deutschland stehen auf BDSM?
Gentledom: Nach einer jüngsten Studie haben 65 Prozent der Frauen Unterwerfungsfantasien. Dies bedeutet aber nicht, sie wollen nun alle BDSM betreiben. Wo beginnt BDSM, bei einem Klaps auf den Hintern, Fesseln ? Oder brauche ich eine Peitsche? Das definiert jeder anders. Daher schwanken die Studien zu dem Thema auch zwischen Werten von 5-30 Prozent.
Was sind das für Leute?
Gentledom: Du vielleicht, ich sicher ;) Oder anders gesagt, Menschen wie du und ich, kleine, große, dicke, dünne, kluge, dumme, usw. Es gibt nicht den BDSMler, aber es gibt durchaus Personentypen, die man unter uns häufiger findet als sie im Durchschnitt in der Bevölkerung vorkommen.
Schämst du dich für deine sexuellen Vorlieben?
Gentledom: Ich trage meine sexuelle Vorliebe nicht vor mir her, schäme mich aber auch nicht dafür und habe mich dieser zum Glück auch noch nie geschämt. Ich bin diesbezüglich mit mir im Reinen und genieße sie einfach nur. Ich kenne aber durchaus die Probleme von Menschen, die diese oft haben, wenn sie merken, dass sie auf BDSM stehen. Sich das selbst überhaupt einzugestehen, neugierig zu sein und sich näher damit zu befassen ist da oftmals der schwerste Schritt überhaupt.
Für wie viele Frauen warst du schon der Dom?
Gentledom: Ich führe kein Buch und ich hatte wohl mehr als die bundesdeutschen sieben Sexualpartner. BDSM ist aber etwas, das mit Vertrauen immer besser wird und daher hatte ich fast immer längere Partnerschaften oder Affären. Also Dom-Sub Beziehungen hatte ich wohl so um die fünfzehn, maximal zwanzig.
Was muss eine Frau haben oder wie muss sie sein, damit du ihr Dom sein möchtest?
Gentledom: Wenn es nur um mich als Dom und nicht auch als Partner geht, dann ist für mich ein ansprechender Körper, Zeit für Treffen, Offenheit, eine positive Lebenseinstellung, Lust zu dienen und wenig Eifersucht wichtig. Der letzte Punkt ist recht einfach erklärt, eine Sub wird mir nicht vorschreiben, mit wem ich neben ihr noch Sex haben darf, sie muss es akzeptieren oder gehen. Solch ein Verbot könnte nur meine Partnerin aussprechen und eben keine reine Sub.
Fickstück, Sklavenschlampe – gibt es wirklich Frauen, die so genannt werden wollen?
Gentledom: Ja, die gibt es. Dirtytalk ist doch kein Phänomen von uns BDSMlern ;) Manche mögen es deftig, andere würden solche Worte nicht in den Mund nehmen.
Kommt es vor, dass die unterwürfigen Frauen während des BDSM-Aktes in Panik verfallen?
Gentledom: Bei mir ist eine echte Panik in 15 Jahren noch nie vorgekommen. Einmal hatte eine Person große Angst vor einer Strafe und ich musste sie beruhigen. Das tat unserer Beziehung jedoch keinen Abbruch, sondern hat uns eher noch näher zusammengeführt. Sie hat sich darin bestätigt gefühlt, dass ich bei aller Konsequenz auch die Hand reichen kann und ich habe gesehen, dass sie beim Auftreten eines Problems in der Lage ist, dieses irgendwie zu kommunizieren. BDSM ist Kommunikation und wenn diese nicht stimmt und/oder der dominante Part zu egoistisch ist oder keine Empathie besitzt, dann kann es zu einem Absturz während einer Session (= BDSM-Akt) kommen.
Kannst du Sex auch ohne BDSM-Elemente genießen?
Gentledom: Kann ich mir mit einer Frau die ich liebe eine Beziehung ohne BDSM vorstellen? Ja, das kann ich (wobei die Aussage oft Menschen, die mich nicht kennen, verwundert). Kann ich mir mit einer Frau die ich liebe vorstellen, auf Blümchensex für immer zu verzichten? Nein, das kann ich nicht. Mir macht „normaler“ Sex eine Menge Spaß. Dieser gehört für mich aber wegen der Art und Weise meiner Sexualität eigentlich ganz exklusiv nur der Person, mit der ich mich emotional sehr intensiv verbunden fühle. Könnte ich in einer solchen Beziehung nicht auch "normal und liebevoll" mit meiner Partnerin schlafen, würde ich damit nicht wirklich klarkommen. Ich bin jemand, der Nähe sehr mag und für mich gehört diese Art der Nähe zu einer gesunden Beziehung.
Kann man gleichzeitig liebevolles Ehepaar sein und als Dom und Sub seine sexuellen Fantasien ausleben?
Gentledom: Liebe und BDSM ist eine unglaublich schöne und intensive Kombination und warum sollte es nicht möglich sein? Ich kenne zumindest einige Beispiele, bei denen es hervorragend geht und hoffe eines Tages auch zu dieser Gruppe zu gehören.
Wie kann eine unerfahrene Frau einen guten Dom finden?
Gentledom: Ganz so leicht ist es leider nicht. Es gibt weit mehr devote Frauen, als dominante Männer. Jene die auf der Suche sind, sind daher oft nicht gerade die erste Wahl und leider gibt es in diesem Bereich durchaus schwarze Schafe. Zu diesem Thema habe ich einige Texte geschrieben, ein guter Einstieg dabei wären die 12 Tpps für eine Sub.
Welche Sextoys bzw. Werkzeuge benutzt du am liebsten als Dom?
Gentledom: Für mich ist das tollste Sextoy der Kopf und das beste Werkzeug die Hand, das will hier aber wahrscheinlich gerade niemand lesen. Also, bei den klassischen Sextoys mag ich einen Massagestab und einen Dildo am liebsten. Bei den Schlagwerkzeugen wäre es der Rohrstock.
Wann und wo triffst du dich mit deinen Subs?
Gentledom: Das hängt davon ab, wann wir beide dafür Zeit haben. Ich favorisiere auf jeden Fall die private Umgebung, ein Hotel oder ähnliches kommt für mich nicht in Frage. Ich lebe meine Neigung offen aus und muss keine Heimlichkeiten haben.
Was bedeutet für dich Treue?
Gentledom: Treue ist ein beliebtes Wort, wir nutzen es gerne und oft. Prinzipientreue, körperliche Treue, emotionale Treue, usw. Treue bedeutet für mich zu etwas zu stehen, einer Person oder auch einer Sache. Nach meiner Erfahrung sind jene Menschen, die am meisten von ihrer Treue erzählen und sie gar vor sich hertragen jene, die es am wenigsten sind. Daher will ich lieber von meiner Untreue berichten ;) Ich war in fast keiner Beziehung bisher körperlich treu. Mir ist aber meine Prinzipientreue sehr wichtig und die wichtigste partnerschaftliche Eigenschaft, die ein Mensch haben kann, ist für mich nicht Treue, sondern Loyalität. Jede Partnerin wusste bei mir zu jedem Zeitpunkt an was sie ist und es oblag ihr, mir meine Freiheiten zu gewähren oder dies nicht zu tun. In den meisten Beziehungen führte dies dazu, dass wir uns zusammen eine Frau für unseren Spaß geteilt haben, also beide körperlich untreu waren, denn Sex mit einer anderen Person als der eigenen Partnerin ist eben Untreue. Trotz Prinzipientreue, Loyalität und emotionaler Monogamie stehe ich dazu körperlich untreu zu sein, wenn meine Partnerin mir dieses Recht eben einräumt.
Was meinst du, wie können unsere Leserinnen herausfinden, ob sie BDSM mögen, wenn sie keinen Partner haben, der daran ebenfalls interessiert ist?
Gentledom: Horch in dich hinein. Was macht dich an, was schreckt dich ab? Ich denke das eigene Kopfkino ist hierbei der beste Hinweisgeber. Wer dafür ein wenig Input braucht, den lade ich mit der Geschichte Dunkelheit auf die dunkle Seite der Erotik ein, wo wir noch viele weitere Inhalte wie Erfahrungsberichte anbieten. Wenn dich die Inhalte ansprechen, dann solltest du dich über die Gefahren, die durchaus auch vorhanden sind, informieren und dann mit der Suche nach deinem Dom (oder auch deinem Sub) starten.
Ist BDSM gefährlich?
Gentledom: Mit einem verantwortungsbewussten Partner, dem das Wohlergehen seines Partners wichtig ist und der sich daher um ihn sorgt, sich informiert und auf ihn eingeht, ist BDSM weitaus weniger gefährlich als Skifahren. Gefahren gehen fast immer nicht von BDSM, sondern von Partnern aus, die nicht wissen was sie tun, denen es nur um ihren Spaß geht und/oder denen das Wohlergehen des Partners egal ist. Wer als devoter Part an einen solchen Menschen gerät, riskiert körperliche, geistige und seelische Schäden. Gerade der devote Part sollte daher darauf achten, sich nur einem Menschen hinzugeben der dieses große Geschenk auch wirklich verdient hat und zu schätzen weiß. Eine Sub schenkt sich und gerade als Sub sollte man sich nicht leichtfertig oder vorschnell verschenken, nur weil man nun endlich dieses Gefühl erleben will.
Was braucht man, um BDSM zu betreiben?
Gentledom: Viele denken an Fesseln, Peitschen, Gerten, usw. Eigentlich braucht man das alles aber nicht und es sind nur Extras. Es braucht einen Partner dessen Lust die eigene ergänzt. Es braucht Offenheit und Kreativität. Es braucht Vertrauen und Lust. Das größte Sexualorgan ist weder der Penis noch die Vagina, es ist unser Hirn. Allein mit den Händen lässt sich so viel machen. Sie können festhalten, kratzen, kneifen, den Atem rauben, niederdrücken, streicheln, liebkosen, schlagen, das ist viel, viel mehr als eine Gerte oder ein Rohrstock allein je schaffen könnten. Wer als dominanter Part kreativ und empathisch ist, braucht für eine Session kein Spielzeug, die beiderseitige Lust ist seine Spielwiese.
Verlierst du langsam die Lust an BDSM, bei all dem Hype um 50 Shades of Grey?
Gentledom: Warum sollte ich? Ich betreibe seit 15 Jahren mein BDSM, dies ändert sich nicht wegen eines Hypes, sondern wenn dann nur weil meine Lust sich verändert oder es Einflüsse der Partnerin gibt. Auf mein privates BDSM hat die ganze Geschichte daher keinen Einfluss, außer vielleicht wenn ich irgendwann in Zukunft mal eine Freundin oder Affäre hätte welche sehr vom Shades of Grey Buch geprägt ist.
Ist eine Vorliebe für BDSM eine Krankheit?
Gentledom: Es kann durchaus krankhaft sein, ist es aber in den meisten Fällen nicht. Psychologen sprechen in der Regel von einer krankhaften Neigung, wenn der Patient durch sie einen dauerhaften Leidensdruck erfährt oder aber nur noch durch Schmerz oder Erniedrigung sexuelle Lust empfinden kann. Ich stimme dieser Annahme der modernen Psychologie zu. Da ich sehr viel Spaß auch an meiner „normalen“ (was ist das eigentlich?) Sexualität habe, behaupte ich von mir gesund zu sein. Ich lebe meine Sexualität eben nur etwas anders als der Durchschnitt aus. Wobei, wenn man Studien glaubt, dass weit mehr als 50 Prozent der Menschen Unterwerfungsfantasien haben sollen, vielleicht bin ich ja doch gar nicht so anders ;) Wer niemandem schadet, wer BDSM nicht als die einzig wahre Art der Sexualität ansieht und seine Neigung nicht verteufelt, der ist in meinen Augen ein ganz normaler Mensch, der eben nur ab und an anders seine Triebe befriedigt.
Warum ist BDSM keine Gewalt?
Gentledom: Gewalt setzt einen Täter und ein Opfer voraus. Das ist bei BDSM nicht gegeben. Handlungen setzen ein Einvernehmen voraus und dies schließt eine Täter-Opferrolle, bei erwachsenen und geistig gesunden Menschen, bereits grundsätzlich aus. Der devote Part gibt dem dominanten mit seinen Tabus die Handlungsgrenzen vor und er kann jederzeit mittels Safeword die Session abbrechen. BDSM braucht (mindestens) zwei Menschen die jeweils die Neigung des anderen befriedigen wollen, es ist ein Zusammenspiel, kein Gegeneinander. Schlage oder peitsche ich eine Partnerin so dient das ihrer und meiner Lust, die wir an unserem BDSM empfinden. Legales BDSM ist in Deutschland an einige Bedingungen geknüpft und diese schützen jeden BDSMler vor Handlungen, die sich gegen seine Person richten.
Welche Vorurteile sind berechtigt?
Gentledom: Einige Vorurteile in Bezug auf BDSM sind berechtigt. Es gibt scheinbar auf devoter Seite durchaus mehr Menschen mit Borderline und Gewalterfahrung, als es sonst üblich ist. Dies bedeutet aber ganz sicher nicht, dass dies nun immer oder auch nur überwiegend der Fall sein muss. Auf dominanter Seite scheint es viele Personen mit Komplexen (Minderwertigkeit, Verlustängste, extremer Narzissmus) zu geben, welche versuchen, ihre Komplexe durch BDSM zu kompensieren. BDSM ist und bleibt eine extreme Spielart der Sexualität und zieht damit auch viele extreme Persönlichkeiten an. Hier gilt es, sich vor diesen zu schützen und bei der Partnersuche, besonders im Internet, wachsam zu sein.
Welches waren die ausgefallensten Praktiken, die du jemals angewendet hast?
Gentledom: Vor Jahren hatte ich mir mal ein Computerprogramm geschrieben, mit dem ichwährend einer Session Filme aufnehmen und abspielen konnte. Die Aufzeichnung der Session erfolgte über eine Brillenkamera, also aus meiner Perspektive und nach 15 Minuten startete auf einem großen Fernseher die gemachte Aufnahme, jedoch nicht in der normalen Geschwindigkeit, sondern es wurde jedes zwanzigste Bild rausgeschnitten, damit näherte sich das dargestellte Geschehen immer mehr dem Livegeschehen an, bis es darin überging. Meine damalige Partnerin hatte somit meine Perspektive.
Ist es für dich schwieriger, eine Frau zu dominieren, die du liebst?
Gentledom: Jein. Dominieren geht natürlich mit einem gewissen Abstand leichter. Wenn man zusammen lebt, dann ist man sich sehr nah, nicht nur emotional. Dafür kennt man sich aber auch sehr gut und somit ist es nicht schwerer, mit einer Person zu spielen, die oft in meiner Nähe ist. Hart mit ihr zu spielen ist überhaupt kein Problem. Der einzige Punkt, bei dem ich selber diszipliniert sein muss, sind Strafen. Ich strafe eh nicht allzu gerne und wenn ich die Person liebe, mache ich es nochmals weniger gern. Hier muss die Selbstdisziplin einfach groß genug sein, sonst klappt es einfach nicht mit einer DS-Beziehung. Ich muss mich also ab und an selber dazu zwingen konsequent durchzugreifen, das ist nicht immer leicht, aber es lohnt sich. Liebe und BDSM ist einfach eine tolle Kombination und mein BDSM funktioniert eben nur, wenn Fehlverhalten sanktioniert wird.
Haben die Subs, mit denen du zu tun hattest, oft ein Safeword nutzen müssen?
Gentledom: Ich habe noch nie ein Safeword gehört, weil ich über eine Grenze meiner Sub gegangen bin. Ich habe es aber bereits einmal gehört, damals aber nur weil sie mir zeigen wollte, wer wirklich die Macht hat. Es war unsere letzte Session, denn wer ein Safeword nutzt, nur um mir zu zeigen, dass die Macht eigentlich bei der Sub liegt, mit dem muss ich nicht spielen. Es ist eine Notbremse und die zieht auch niemand im Zug, wenn es keinen guten Grund dafür gibt. Würde ich es aber hören, weil wirklich etwas vorgefallen ist, was für meine Sub nicht geht, wäre ich sogar stolz auf sie. Denn es würde auch mir zeigen, sie trägt Verantwortung und kann im Notfall ihrer Eigenverantwortung gerecht werden.
Was empfindest du, wenn du einer Frau Schmerzen zufügst?
Gentledom: Das kommt auf den Zusammenhang an, ich empfinde nicht immer das gleiche, wenn ich "den Rohrstock" schwinge. Bei einer Partnerin, die daraus Lust zieht, entwickelt sich auch bei mir Lust denn ich mag es sehr die Lust meiner Partnerin zu sehen und zu spüren. Geht es darum, sie zu bestrafen, ist es hingegen sehr unterschiedlich. Ich bin kein wirklicher Sadist, kann aber Freude an der Macht dabei empfinden, oder ich sehe es als Pflicht an, weil es anders nicht funktioniert. Gerade wenn ich sie liebe ist es mehr eine Pflicht denn eine schöne Kür, ohne Strafe funktioniert aber kein wirkliches Machtgefälle. Nur belohnen geht eben als Erziehungsmittel nicht, auch wenn ich sicher lieber gutes Verhalten belohne, als schlechtes zu bestrafen.
Welche Vorurteile sind völlig falsch?
Gentledom: BDSMler sind alle krank wäre das Vorurteil was am wenigsten stimmen dürfte. Wie beschrieben gibt es durchaus eine erhöhte Häufigkeit gewisser Störungen und Krankheiten, dies bedeutet aber nicht, dass die Mehrheit der BDSMler krank ist. Ebenso hat die Neigung nichts mit dem Geschlecht oder Beruf zu tun. Früher gab es in der Wissenschaft die These, dass BDSM als Perversion primär ein männliches Problem ist. Interessanterweise gibt es aber regelmäßig mehr suchende devote Frauen als suchende dominante Männer, was gegen diese These spricht, vor allem da es recht wenig monogame männliche Doms zu geben scheint. Bei devoten Männern stimmt es hingegen, sie stellen eine weitaus größere Gruppe dar als die dominanten Frauen. Bei den Berufen gibt es zwar solche die typisch für eine Rolle sind (devote Frauen: Medizinische und pädagogische Berufe), dies dürfte aber eher darin begründet sein, dass allgemeine Veranlagungen jeweils ähnliche Einflüsse (der Gesellschaft als Lehrerin, Krankenschwester dienen und privat dem Partner sexuell ebenso dienen) auf das jeweilige menschliche Verhalten haben. Ein Vorurteil das ebenso verbreitet ist, ist dass Alltagsverhalten genauso oder entgegengesetzt zur Neigung sein muss. Der Manager der sich verhauen lässt ist ein typisches falsches Bild in den Köpfen vieler. Die Alltagsneigung (dominant/devot) hat nichts mit der sexuellen Neigung zu tun. Es gibt aber nicht nur von außerhalb der „Szene“ Vorurteile, auch innerhalb dieser gibt es genug davon. BDSM wird immer SSC gespielt oder auch ein Dom kann nicht masochistisch sein oder BDSMler haben besseren Sex als NichtBDSMler, wären jene die hier angeführt werden können.

Du sagst, du hast Vergewaltigungsfantasien, du setzt sie aber aus moralischen Gründen nicht um. Orientieren sich alle BDSMler an moralischen Werten?
Gentledom: Fast alle Menschen hatten schon irgendwann mal die Fantasie, Teil von etwas zu, sein das sicher nicht legal ist. Im Kontext Macht und Sex habe ich durchaus auch als Mann Vergewaltigungsfantasien, in meinem Fall aber als aktiver Part. Mal ehrlich, wer hatte noch nie eine Fantasie, die sich um das Thema Vergewaltigung oder Tötung oder was auch immer drehte, aber das uns Recht und Moral verbieten, daher bleibt es bei gesunden Menschen eben auch nur eine Fantasie. Wir lesen Bücher, spielen Computerspiele, vielleicht sogar mal Paintball (reales Kriegsspiel), haben Kopfkino, vielleicht sogar mal Hass auf einen Chef oder Kollegen, das ist menschlich und normal. In Bezug auf die Frage bedeutet das für mich, eine reale Vergewaltigung käme für mich niemals infrage, die Umsetzung einer Vergewaltigungsfantasie hingegen schon. Ich habe dennoch diese Fantasie bereits in Teilen umgesetzt, aber eben in jenen, die mit meiner Moral und natürlich auch dem Gesetz zu vereinbaren sind. Kurz, das Opfer war niemals ein wirkliches Opfer, da diese Frau dem Szenario zugestimmt hat, auch mittels eines Safewords jederzeit hätte aussteigen können und ich mich an vorgegebene Tabus hielt. Es war also ein Spiel, das beiden Seiten gedient hat und das beide Seiten kickte. Ich bin dennoch sehr vorsichtig mit dieser Spielart, da dabei sehr viel schieflaufen kann und habe sie daher auch erst zweimal umgesetzt. 
Nicht jeder BDSMler teilt meine Meinung, einige lehnen solche Spiele gänzlich ab, andere spielen sie nur ohne Safeword, was wiederum in meinen Augen viel zu gefährlich ist. Dem Großteil der Doms unterstelle ich aber, dass sie sich in diesem Kontext im Rahmen des rechtlich erlaubten bewegen.

Stärkt BDSM das Selbstvertrauen einer devoten Frau?
Gentledom: Bei vielen ja. Ich denke das kommt aber daher, dass sie sich endlich selber akzeptieren können und somit nicht einen Teil von sich unterdrücken müssen. Wer etwas unterdrückt der hat sicher weniger Selbstvertrauen denn er traut sich selber nicht ganz über den Weg und meint etwas würde mit ihm nicht stimmen. Wenn er dann merkt alles ist super kommt eine Zufriedenheit und Selbstsicherheit weil man sich selber nunmehr so akzeptiert wie man ist und damit eben auch ein neues Selbstvertrauen.

Warum ist Dominanz für dich nicht gleich Stärke?
Gentledom: Dominanz hat für mich sehr viel mit Stärke zu tun, nur verstehe ich darunter nicht ausschließlich die körperliche Komponente. Sie hat auch ihren Platz, aber in meinen Augen gibt es weitaus wichtigere Elemente der Dominanz. Dominanz bedeutet für mich bestimmen, führen und durchsetzen. Der Weg der körperlichen Überlegenheit ist dabei möglich und kann durchaus in einer sexuellen Komponente geil sein, aber das kann echt jeder Depp mit ein paar Muckies. Ich führe indem ich zeige, ich bin dazu fähig. Ich achte auf jene, die mir folgen/unterstehen, sorge mich um sie, bin konsequent aber offen für Vorschläge, kann mit Kritik umgehen, über mich selber lachen, kenne meine Stärken und Schwächen, bin selbstsicher, kann auf den Tisch hauen wenn es nötig ist, Menschen für mich gewinnen, eben führen, zumindest so wie ich den Begriff verstehe. Wenn es um Sex geht, kann ich aber auch die Person gegen die Wand drücken und meinen Spaß mit ihr haben, wenn sie eben auch dafür offen ist.

Wie läuft es ab, wenn du eine Frau „auffangen” musst, nach einer Session?
Gentledom: Für sie da sein, das kann sehr unterschiedlich ablaufen. Halt geben, weil sie körperlich fertig ist. Mit ihr reden, damit sie langsam zurückkommt. Kuscheln, streicheln, küssen, um Nähe zu spüren. Auffangen geht vor allem über Nähe. Die baut man mit jedem Menschen anders auf. Es geht einfach darum, nach einem aufregenden Höhenflug sanft zu landen.

Woher weißt du denn, dass du sowas von nicht Mr. Grey bist, wenn du die Bücher nicht gelesen hast?
Gentledom: Weil ich die wenigen Dinge, die ich aus dem Buch kenne nicht erfülle. Ich habe keine Bindungsängste, mag Nähe sehr gerne, hatte eine sehr glückliche und behütete Kindheit, mir ist Geld nicht wichtig, ich trinke keinen Wein vor einer Session, brauche keine Verträge und ja, da hört mein Wissen über Mr. Grey auf. Ich habe die Bücher eben nicht gelesen und werde mir höchstens den Film anschauen, evtl. finde ich dort ja auch mal eine Gemeinsamkeit die ich mit ihm habe.

Lieber emanzipiert oder alltagsdevot?
Gentledom: Emanzipiert natürlich. Wenn die Frau bereits im Alltag vor Chef, Kunden, Freunden, usw. kniet, wo ist dann der Reiz, sie ebenfalls auf die Knie zu zwingen? Ich glaube, wir Menschen schätzen nur wirklich das, was wir uns erkämpft haben. Wenn es eben nicht nur um den Faktor Sub, sondern auch um eine potentielle Partnerin geht, sehe ich es als noch wichtiger an. Ich mag positiv denkende und selbstbewusste Frauen sehr gerne.

Quelle

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