Ausstellungstipp: Thou shalt not be von Scylla Rhiadra

Die Nitroglobus Roof Gallery erweist sich immer wieder als eine der feinsten Adressen für anspruchsvolle virtuelle Kunst. Unter der ambitionierten Leitung von Owner und Kurator Dido Haas öffnet sich hier regelmäßig ein Raum für außergewöhnliche visuelle Entdeckungen. Aktuell präsentiert die Galerie eine Künstlerin, deren Arbeiten wunderbar ist: Scylla Rhiadra

Eröffnungsparty
Montag, 20. Juli 2026
12 PM SLT / 21:00 Uhr MEZ
Musik von DJ Magda
TELEPORT 

Beschreibung der Künstlerin (Übersetzung): 

Wenn wir davon sprechen, einen „Übergang“ (eine Transition) zu durchlaufen, beziehen wir uns im Allgemeinen auf etwas, das wir aus dem einen oder anderen Grund als einen entscheidenden Moment definiert haben – einen Wechsel von einer relativ statischen oder stabilen Identität oder einem Ort zu einem anderen. Die gesamte Vorstellung eines „Übergangs“ baut vielleicht auf der Idee auf, dass unser Leben aus Kapiteln besteht, aus Phasen der Ruhe, die wir abgrenzen können und die in Abständen von Ereignissen unterbrochen werden, die eine Art neue Identität oder eine neue Realität einläuten.

An dieser Vorstellung ist offensichtlich viel Wahres dran: Solche Momente im Laufe der Zeit sind in der Tat „Übergänge“. Aber ich möchte behaupten, dass jeder Moment unseres Lebens in gewisser Weise ein „Übergang“ ist; dass unsere Bewegung durch die Zeit und durch Erfahrungen in Wahrheit eine Abfolge von Übergangsmomenten darstellt. Wenn wir leben, sind wir niemals völlig in Ruhe, nicht einmal im Schlaf. Und wenn wir etwas erleben, sehen, sprechen, berühren oder träumen, verändern wir sich. Wir haben einen Übergang vollzogen.
Wenn wir unser Leben rückwärts lesen, wie viele scheinbar unbedeutende Ereignisse gewinnen dann im Kontext dessen, was folgte – vielleicht Jahrzehnte später –, eine neue Bedeutung? Wie oft gehören die wichtigsten Übergangsmomente auch zu den leisesten?

Diese Ausstellung ist eine Feier dieser Momente, der Zeiten und Orte, an denen sie geschehen – sei es, wenn die Morgensonne den Horizont bricht, oder wenn wir spüren, wie das Wasser hungrig an unseren Oberschenkeln leckt. Jeder Raum kann in diesem Sinne ein liminaler Raum sein, eine Grenze oder eine Kreuzung zwischen dem, was wir waren, und dem, was wir werden.
Veränderung ist der Beweis des Lebens; Liminalität (der Zustand des Dazwischenseins) ist der Zustand des Lebendigseins. Wir müssen furchtlos durch die Wasser und durch die Feuer gehen, denn sie werden uns nicht verbrennen. Jeder Übergang ist ein Moment des Werdens und trägt Spuren dessen in sich, was wir vorher waren. „Das Kind“, schrieb William Wordsworth, „ist der Vater des Mannes“:

Mein Herz hüpft auf, wenn ich erblick’
Am Himmel einen Regenbogen:
So war es, als mein Leben fing an;
So ist es jetzt, da ich ein Mann;
So sei es, wenn das Alter nah’n,
Oder lasst mich sterben!

Jeder Übergang ist ein Sprung nach vorn und eine Erlösung. 

Flickr von Scylla
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Scylla Rhiadra – Biografie (Übersetzung):

Als Veteranin, die seit mehr als 17 Jahren auf dieser Plattform aktiv ist, konzentriere ich mich seit 2018 ernsthaft auf die Fotografie in Second Life. Der Großteil meiner Arbeit dreht sich um Avatare, da mich besonders die Möglichkeiten interessieren, wie wir das „Menschliche“ in einem digitalen Simulakrum darstellen können: Wie können wir die Dinge bewahren, die die Komplexität und Einzigartigkeit einer Identität aus dem „echten Leben“ widerspiegeln – Emotionen, Verbindungen, unsere dynamische Auseinandersetzung mit der Welt –, und zwar in einer Simulation, die den Ausdruck dieser Dinge in unterschiedlichem Maße einschränkt?

Ich bin auch daran interessiert, Wege zu finden, um die digitale Kunst, die wir hier erschaffen, zu etwas zu machen, das in sich selbst ein wenig einzigartig ist – weder der dokumentarische Screenshot einer „Gaming“-Plattform noch der blasse Abklatsch von Kunstformen (Fotografie, Malerei) aus dem realen Leben. Kann SL-Kunst zu etwas ganz Eigenem werden?

Schließlich interessiert mich die Second-Life-Fotografie als Mittel des Geschichtenerzählens. Darunter verstehe ich einen dynamischen und kreativen Dialog zwischen „Künstler“ und „Betrachter“, der versucht, die Grenzen aufzulösen, die diese beiden Rollen allzu oft engstirnig definieren.

Wenn es in meinen Bildern etwas gibt, das auf einer ästhetischen, erzählerischen, emotionalen oder intellektuellen Ebene nachhallt, dann möchte ich glauben, dass wir auf irgendeine Weise eine Verbindung aufgebaut haben. Und ich kann mir keine wichtigere Funktion für die Kunst vorstellen.

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