PHILIP ROSEDALE: DIE MEDIEN LIEGEN FALSCH, SECOND LIFE IST NICHT GESCHEITERT


Sarah Lacy, Gründerin und Chefredakteurin von PandoDaily, nahm am 5. Juli an einer Veranstaltung von IdeaMensch teil. Dort hielt sie ein Referat über die Idee zu ihrer News-Seite und welche Schwierigkeiten sie beim Aufbau damit hatte. Direkt vor Sarah sprach Philip Rosedale, der Gründer und langjährige CEO von Second Life. Im Artikel beschreibt nun Sarah, wie sie den Auftritt von Philip wahrgenommen hat.


Sowohl die Rede von Sarah, als auch von Philip, hatten eines gemeinsam: Sie drehten sich um die Unfähigkeit der "alten" Medien, sich an eine wandelnde Informationsgesellschaft anzupassen. Rosedale sprach dabei vom "Held-Bösewicht Prinzip" der alten Presse. Zur Verdeutlichung wurde folgendes Beispiel angeführt:
Die örtlichen Redakteure berichten häufig über Neuigkeiten aus dem Silicon Valley, nehmen diese aber nicht ernst, bis irgendwann doch mal etwas offensichtlich erfolgreich ist. Dann wird die verantwortliche Person über Nacht zum Titelheld gemacht, wobei die Recherchen dazu ebenfalls nur schnell "über Nacht" zusammengetragen werden. Verläuft das Ganze dann doch nicht so erfolgreich, wird der Titelheld schnell als dumm oder böse hingestellt. Schließlich wird er dann verspottet, abgeschrieben und vergessen.


Jeder, der aber tatsächlich mal mit einer neuen Idee gestartet ist weiß, dass dies nicht so einfach ist, wie es oft dargestellt wird. Und das gilt auch für Second Life. Es wurde zunächst als das große Ding bezeichnet und ein paar Jahre später als überbewertet wieder fallen gelassen. Second Life ging nie an die Öffentlichkeit und wurde auch nicht aufgekauft. Es gab einige chaotische Änderungen im Management und beträchtliche Entlassungen. Noch schlimmer war aber für viele, dass die Nutzerzahlen nicht gewachsen sind. Viele Medien halten etwas, das nicht wächst, für tod und so zog der Hype dann weiter.


Als dann Zuhörer im Veranstaltungsraum die Frage stellten, ob Second Life jemals rentabel war, denn man könne sich nicht mehr erinnern, argumentierte Rosedale ziemlich überzeugend, dass Second Life überaus erfolgreich war (und ist). Second Life hat aktuell eine Millionen aktive Nutzer. Das ist etwa die gleiche Anzahl, die es auch schon auf seinem Höhepunkt hatte. In jener Phase, als SL das Titelblatt in der BusinessWeek schmückte, Firmen wie IBM in SL eine Niederlassung errichteten, Politiker in SL Pressekonferenzen abhielten und Gruppen wie Duran Duran und Depeche Mode Konzerte veranstalteten.


Diese Nutzerzahl ist bis heute nicht gesunken. Und wenn dies damals eine erstaunliche Leistung war, dann sollte es in Zeiten, in der Webauftritte nur noch Modeerscheinungen sind, die genauso schnell verschwinden, wie sie gekommen sind, immer noch eine erstaunliche Leistung sein. Ebenfalls beeindruckend seien die 700 Mio. US-Dollar Umsatz, die jedes Jahr mit virtuellen Gütern in Second Life gemacht werden. Dies sei mehr als genug, um eine Firma sehr profitabel arbeiten zu lassen. Das einzige Problem von Linden Lab sei, dass sie es nie geschafft haben, die Nutzerzahlen weiter zu steigern. Nichts, was sie ausprobiert haben, hatte zum Erfolg geführt. Und Rosedale ist der Meinung dass nicht mal eine frühere Facebook-Integration geholfen hätte. Wie er sagt, hätten Investoren eine halbe Milliarde Dollar in Mitbewerber von Second Life gesteckt und keinem von ihnen wäre es gelungen, an den Zahlen von SL vorbeizuziehen.


Virtuelle Welten haben sich inzwischen in anderen Ländern zu großen Geschäftsbereichen entwickelt. Rosedale vermutet deshalb, dass die US-Bürger entweder aus kulturellen Gründen nicht auf ein Fantasieland stehen, oder SL einfach viel zu früh erschienen ist. Zur ersten Vermutung sagte Philip, dass es für ihn eine der größten Überraschungen war, dass die meisten SL Nutzer, trotz aller kreativen Möglichkeiten, sich doch nur Häuser im Malibu-Stil auf ihr virtuelles Land stellen. Die meisten scheinen das zu begehren, was sie kennen und für viele Amerikaner sei dies ein erstrebenswertes Ziel. Sie wollen eine Kultur, die bereits von anderen vorgegeben wurde und nicht die Verantwortung dafür tragen, sich ihre eigene Kultur zu erschaffen.


Die zweite Vermutung von Philip, Second Life wäre zu früh auf den Markt gekommen, ist das, wovor sich viele Unternehmer fürchten. Während dem Aufbau einer Firma hat man keine Anhaltspunkte, ob man mit seiner Idee der Zeit voraus ist. Und noch schlimmer: Ein anderer wird mit der Idee, die man ein paar Jahre zuvor gehabt hat, zum Milliardär. Deshalb wäre Rosedale stolz darauf, wenn er wirklich "zu früh" mit Second Life auf den Markt gekommen ist. "Wir hatten früh eine Idee, von der viele Leute glaubten, dass sie irgendwann kommen würde. Und worauf ich am meisten stolz bin ist, dass wir durch unsere harte Arbeit zu einer profitablen Firma wurden, Jahre bevor es eigentlich geplant war."


Man könnte jetzt der Auffassung sein, dies klinge bei Rosedale wie eine Rechtfertigung für das Ende der Erfolgsgeschichte, mit vielen hundert Millionen Dollar für die Investoren. Und als Reporter würde man wohl auch genau dieser Auffassung sein. Denn letzten Endes zählt im Sillicon Valey nur das Waschstum, verbunden mit den verrückten Bewertungen von Firmen, die eigentlich überhaupt nichts mehr mit dem realen Wert zu tun haben. Sie werden auf Versprechen aufgebaut und wenn diese nicht eintreffen, dann endet die Geschichte, zusammen mit der Hoffnung, was daraus hätte werden können.


Von der menschlischen Seite gesehen ist es aber leicht, die Sichtweise von Philip Rosedale zu verstehen. Er schuf etwas Waghalsiges und Verrücktes, das auch heute noch eine Millionen Menschen benutzen. Etwas, das jedes Jahr eine dreiviertel Milliarde Dollar in einer virtuellen Wirtschaft bewegt. Etwas, dass noch keine Anzeichen für eine Abschwächung zeigt, obwohl es eigentlich nicht wächst. Im Grunde hat er eine kleine virtuelle Nation gebaut.


Abschließend schreibt Sarah Lacy, sie habe große Pläne für ihr Unternehmen. Sie möchte auch gern über eine Million treue Kunden und ein hoch profitables Geschäft verwirklichen. Und wenn sie das hinbekommen würde und es dann fast zehn Jahre lang so erfolgreich bestehen bleibt, dann wäre sie verdammt stolz auf ihr Team.


Quelle: ECHT VIRTUELL

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