Daemonika Nightfire: Teleportierende Bots belasten Second Life
Daemonika Nightfire hat mir wieder einen Beitrag geschickt, in dem sie ihren Unmut über Bots kundtut. Danke, Dae, dass du immer mal wieder etwas für mich schreibst! Die gesammelten Beiträge von Daemonika findet ihr hier.
Teleportierende Bots belasten Second Life
Wie die meisten von euch wissen, habe ich persönlich nichts für Bots übrig. Es dürfte daher niemanden wundern, dass ich im Grunde kein gutes Haar an ihnen lasse. Seit längerer Zeit führe ich eine Statistik über Botbesuche und deren Verhalten, und dabei sind einige durchaus interessante Zahlen zusammengekommen. Besonders bemerkenswert finde ich, dass bereits rund 100 permanent aktive Bots allein durch ihre reine Bewegungsaktivität eine Belastung erzeugen können, die grob mit mehr als 12.000 normalen Avataren vergleichbar ist.
Dabei habe ich über einen Zeitraum von 101 Tagen auf nur einer einzigen Sim durchschnittlich etwa 25 Bots pro Tag bei einem durchschnittlichen Peak von 4 Bots pro Stunde erfasst. Die durchschnittliche Skriptlast pro Bot lag bei etwa 0,215 ms. Das entspricht in etwa der Last von ein bis zwei normalen Avataren mit geskripteten Attachments inklusive aller HUDs, obwohl Bots im Durchschnitt lediglich 6 Skripte tragen. Daraus lässt sich klar erkennen, dass die wenigen Skripte der Bots keine belanglosen Kleinigkeiten ausführen, sondern trotz ihrer geringen Anzahl eine unverhältnismäßig hohe Last erzeugen.
Nun sind Bots in der Regel zwar sehr sparsam, was die Komplexität angeht, verursachen auf einer Region jedoch trotzdem erhebliche Störungen. Denn bei jedem Regionseintritt laufen die gleichen grundlegenden Mechanismen an wie bei einem normalen Avatar – also etwa Anwesenheitserfassung, Avatar-Initialisierung, Skriptstarts, Interest-List-Updates und weitere serverseitige Abfragen.
Hinzu kommen userdefinierte Skripte von Bewohnern, die keine Möglichkeit haben, Bots auf ihrer Region auszuschließen, und deshalb gezwungen sind, Bots selbst zu filtern und gesondert zu behandeln. Auch das erzeugt wiederum zusätzliche und vermeidbare Last.
Nun hat sich in meiner Statistik gezeigt, dass Bots sich in der Regel nur etwa 25 Sekunden auf einer Region aufhalten, bevor sie zur nächsten teleportieren. Wenn von rund 27.000 Regionen nur die Hälfte besucht wird, weil die andere Hälfte Bots ausschließt, ergibt das bei durchschnittlich 25 Bots pro Tag und Region bereits 341.134 Teleports pro Tag – ohne dass dabei reguläre Avatare überhaupt mit eingerechnet sind. Rechnet man diese Zahl auf die typische Verweildauer herunter, würden bereits rund 100 permanent aktive Bots ausreichen, um eine solche Last zu erzeugen.
Als grobe Vergleichsbasis habe ich meine eigenen Rezday-Statistiken herangezogen. Selbst wenn man großzügig annimmt, dass ein normaler Avatar pro Tag etwa 28 Teleports verursacht, kommen 100 normale Avatare zusammen nur auf rund 2.800 Teleports pro Tag. 100 Bots mit einer typischen Verweildauer von etwa 25 Sekunden pro Region erzeugen dagegen rund 345.600 Teleports pro Tag. Rein auf die Bewegungsaktivität heruntergerechnet entspricht das grob der Teleportlast von mehr als 12.000 normalen Avataren.
Dieses Verhalten der Bots ist kein belangloses Hintergrundrauschen mehr, sondern anhand belegbarer Zahlen, Daten und Fakten nachvollziehbar. Daraus lassen sich reale Belastungen und, zumindest in ihrer Tendenz, auch reale Kosten ableiten. Diese Belastung sorgt nicht nur für Unmut bei den Bewohnern, sondern verursacht auch aufseiten von Linden Lab zusätzlichen Aufwand und Kosten. Second Life läuft seit der vollständigen Cloud-Migration auf AWS, wodurch jede unnötige Regionseinreise, Initialisierung und wiederholte Abfrage nicht nur technische Last, sondern auch zusätzlichen Verbrauch von Infrastrukturressourcen erzeugt. Es wäre vermessen zu behaupten, dass ohne Bots alles billiger wäre, aber je höher die Marge bei Linden Lab ist, desto mehr verfügbares Kapital steht am Ende für Infrastruktur, Stabilität und Support zur Verfügung. AWS rechnet Compute und ausgehenden Traffic nutzungsbasiert ab, weshalb zusätzliche Dauerlast zumindest grundsätzlich auch wirtschaftlich relevant ist.
Ich habe nichts dagegen, wenn sich jemand lokale Bots auf die Region stellt – sei es als Greeter, Model, Tänzer oder Support-Bot für Gruppeneinladungen. Selbst den Einsatz als Sex-Bot in irgendwelchen AFK-Bumsbuden finde ich noch vertretbar. Sobald diese Bots jedoch anfangen, quer über das Grid zu teleportieren, zweifle ich am berechtigten Interesse. Mir will schlicht nicht in den Kopf, welches legitime Interesse eine Privatperson daran haben sollte, Bots in diesem Ausmaß über das Grid zu jagen. Zumal es sich dabei längst nicht nur um Traffic-Bots oder Kartenerzeuger handelt.
Meine persönliche Empfehlung an Linden Lab ist – und das habe ich im Feedback bereits veröffentlicht –, dass Bots generell nicht mehr selbstständig teleportieren dürfen. Stattdessen sollten sie gezwungen sein, sich direkt auf der Zielregion einzuloggen, auf der sie auch tatsächlich eingesetzt werden sollen. Zusätzlich würde ich eine Instanz ähnlich dem Bad-Word-Filter auf dem Marketplace einführen, die ungewöhnliches Teleportverhalten registriert und auf den betreffenden Accountseiten einen deutlichen Hinweis anzeigt, dass dieses Verhalten erfasst wurde und es sich vermutlich um einen Bot handelt, der entsprechend auch als Scripted Agent zu flaggen ist. Mir ist nämlich bereits zugetragen worden, dass sich einige Betreiber den Status als Scripted Agent bewusst sparen, nur um wieder Zugang zu Regionen zu erhalten, auf denen Bots eigentlich ausgeschlossen sind.
Die Feedbackseite, von der ich sprach, findet ihr hier.
Dort könnt ihr euch ebenfalls mit euren normalen Second-Life-Zugangsdaten einloggen, eure Meinung dazu abgeben oder auch direkt dafür stimmen. Dort habe ich auch weitere Punkte angesprochen, warum sich so viele Menschen durch Bots belästigt fühlen. Keine Sorge wegen der Zugangsdaten: Diese Seite wird direkt von Linden Lab betrieben.
Bis heute ist mir schleierhaft, warum sich Linden Lab so schwer damit tut, Bots restriktiver zu behandeln. Haben diese Systeme inzwischen eine derart große Lobby, dass man zulässt, dass zahlende Residents sich durch sie belästigt fühlen und nach und nach das Vertrauen in die Plattform verlieren? Was passiert, wenn Nutzer irgendwann auch das Vertrauen in den Betreiber verlieren, muss ich wohl nicht weiter erläutern.
Dass Linden Lab grundsätzlich nicht zuhört, will ich gar nicht unterstellen. Man sieht ja bereits daran, dass sie die Möglichkeit geschaffen haben, Bots auf privaten Regionen auszuschließen, dass das Thema durchaus wahrgenommen wurde. Wenn ihr mich fragt, ist diese Regelung jedoch nicht konsequent genug durchdacht und in der praktischen Umsetzung zu lückenhaft – etwa dann, wenn es offenbar ausreicht, den Scripted-Agent-Status einfach wegzulassen, um solche Einschränkungen wieder zu umgehen.
Übrigens sind bei meinen Hochrechnungen rund 100 permanent aktive Bots herausgekommen. Mit einem lokalen Scanner habe ich jedoch innerhalb eines Jahres mehr als 140 verschiedene Bots auf einer einzigen Region erfasst. Auch das zeigt, dass diese Größenordnung keineswegs unrealistisch ist.
PS: Und nein, ich werde bei diesem Thema nicht einfach Ruhe geben, auch wenn sich einige daran inzwischen offenbar stören.
Anmerkung von mir: Es gibt noch andere, die Bots genauso kritisch sehen. Dazu habe ich folgenden aktuellen Thread im Second Life Community Forum gefunden: All the Bots on the Grid and Why People Hate Them and What Can Be Done
Links zum Thema Bots
Wusstet ihr das schon? Wie bannt man Scripted Agents (Bots)
Wusstet ihr das schon? Bonnie Bots und andere
Daemonika Nightfire: Mobile Bots Mainland - Performance, Privatsphaere und strukturelle Gegenmassnahmen
Neues Free Skript von DaeSigns: *DS* Bot Ejecter
Linden Lab zum Thema Bots: Ausgleich zwischen Initiative und Datenschutz
Wusstet ihr das schon? Bonnie Bots und andere

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